Branchenergebnisse - Handel

Die ver.di- und HDE-Verhandlungsführer/innen der Schwerpunkttarifgebiete im Dialog über alternsgerechte Arbeitsgestaltung durch Demografie-Tarifpolitik

Für die Projektarbeit im Handel war der Aufbau von folgenden Arbeitsstrukturen bedeutsam, um mit den Partnern auf der Branchenebene betriebsübergreifend zusammenzuarbeiten:

 

  • Beirat der VerhandlungsführerInnen und SpitzenvertreterInnen von HDE und ver.di, zur regelmäßigen Strukturierung und Planung der Projektarbeit. 

  • Intensiver Dialogprozess zu den Demografie-Schwerpunktthemen: Vorbereitung von Fachhearings/Fachveranstaltungen, Newslettern, Veröffentlichungen, Vertiefung dieser Themen im Rahmen der Verhandlungen, usw.

  • Tarifverhandlungen mit Informationen/wissenschaftlichen Inputs durch das Projekt, aufbauend auf den Fachveranstaltungen; Ziel: Information aller Verhandlungsbeteiligten.

  • Tagesseminare/Qualifizierungen mit den Tarifkommissionen zur Vertiefung der Themen, Vorbereitung auf Tarifverhandlungen.

 

Branchen- und Tarifpolitische Ergebnisse

  • In zwei Schwerpunkt-Tarifgebieten (Bayern und NRW) wurden bis zum Ende der Projektlaufzeit Demografie-Tarifregelungen verhandelt.

  • Als tarifpolitische Schwerpunktthemen wurden benannt: Alternsgerechte Arbeitsgestaltung, gesunde Führung, Demografie-Analyse;

  • Durch eine intensive Diskussion dieser Themen im Rahmen von Fachhearings und durch fachliche Impuls im Rahmen der Tarifverhandlungen wurde ein neue Art des Tarifdialogs erprobt;

  • Im Rahmen der Tarifverträge sollte u.a. auf eine Toolbox für den Einzelhandel (Transferplattform) verwiesen werden. In diese Toolbox sollen Gestaltungsinstrumente und Verfahren aufgenommen, die aus Sicht der arbeitgeber- und arbeitnehmerseitigen Tarifkommissionen empfehlenswert und geeignet sind, einen positiven Beitrag zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit zu leisten; 

 

 
Bericht über Branchenkonferenz      
Quelle: Lebensmittelzeitung

Obwohl der Tarifdialog nach Ende des Projekts durch den Ausstieg des Arbeitgeberverbandes nicht weitergeführt wurde, wurde die Idee einer Toolbox für den Einzelhandel durch INQA aufgegriffen.

Mehr dazu unter: ww.toolbox-fuer-den-Handel.de  

 

Mit dem Abbruch der Tarif-Verhandlungen starteten in fast allen großen Einzelhandelsunternehmen, deren Vertreter/innen den Hearings und Veranstaltungen beiwohnten, Verhandlungen zur Gestaltung gesundheitsförderlicher Arbeit auf betrieblicher Ebene mit dem Ziel umfassende Betriebsvereinbarungen zu den bisher tarifpolitisch diskutierten Thematiken zu verhandeln.

Zum zweiten wurde binnen weniger Monate bei Primark ein Haustarifvertrag zum Thema gesundheitsförderliche Führung abgeschlossen – ein Tarifwerk, das bisher diverse Alleinstellungsmerkmale aufweist (siehe Kasten).

 

Tarifvertrag zur gesundheitsförderlichen Führung

Unterzeichnet durch PRIMARK Mode Ltd. & Co.KG und die vereinte Dienstleistungsgesellschaft (ver.di) am 22.3.2018

 

Inhalte:

  • Definition von gesundheitsförderliche Führung und Festlegung eines hierfür mindestens notwendigen Kompetenzprofils

  • Regelung eines Qualifikationsprogramms zur Entwicklung und Förderung gesunder Führung auf der Basis von 4 aufeinander aufbauenden Qualifikationsmodulen, die in Anlagen näher beschrieben sind:

    • Nachhaltige Verankerung von Instrumenten der Führungskommunikation 

    • Motivation 

    • Konfliktmanagement 

    • Führen unter Berücksichtigung kultureller Belange und Geschlechterrolle

  • Installation eines Arbeitskreises und Beirates der Sozial- und Tarifpartner, mit dem Ziel den Qualifikationsfortschritt zu reflektieren, zu evaluieren und zu überwachen.

  • Festlegung eines Informations-, Beteiligungs- und Evaluationskonzept, das auch eine Beteiligung der Beschäftigten ohne Führungsaufgaben zusichert. 

  • Festlegung eines Überprüfungs-, Monitoring- und Schlichtungsmechanismus

 

Instrumente für die betriebliche Gestaltung

 

ErgoScouts – Ausgleichsübungen für Beschäftigte im Handel

Gemeinsam mit den Betriebspartnern Kaufhof und REWE wurde das Multiplikatorenkonzept „ErgoScouts“ für den Einzelhandel entwickelt. Es setzt auf Ausgleichs- und Entlastungsübungen, die als Mikropausen in den Arbeitsalltag von Beschäftigten im Einzelhandel integriert werden. Damit lassen sich die gesundheitlichen Fehlbelastungen, die beispielsweise durch langes Stehen, Sitzen oder einseitige Körperhaltungen am Arbeitsplatz entstehen können, reduzieren und somit Gesundheitsschutz und Prävention effektiv verbessern und nachhaltig ausbauen.

Qualifizierte „ErgoScouts“ übernehmen dabei die Anleitung und motivieren ihre Kollegen und Kolleginnen, die speziell für ihren Arbeitsplatz konzipierten Übungen in den Tagesablauf als aktive „Mikropausen“ einzubauen und im Laufe der Arbeitszeit möglichst häufig einzusetzen.

„Psychische Belastung erfassen – Gesunde Arbeit gestalten“ (PEGA) – ein branchenspezifischer Ansatz zur Durchführung der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen

 

In Kooperation mit der BGHW und den Sozialpartnern der Handelsunternehmen REAL, REWE und Kaufhof wurden branchenspezifische Instrumente und Verfahrensbeschreibungen entwickelt, zur Erfassung und Beurteilung von psychischen Belastungen, Entwicklung von Maßnahmen zur Gestaltung gesundheitsförderlicher Arbeit und zur Dokumentation im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung. Die Grundlage für die Verfahrensentwicklung sind die Empfehlungen der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA).

Im Einzelnen entstanden in den umfangreichen Betriebsprojekten folgende Produkte:

 

 

 

 
Übersicht über die PeGA-Produkte "Psychische Belastungen erfassen - gesunde Arbeit gestalten"

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