Branchenübergreifende Ergebnisse

Monitor Tarifverträge

Im Rahmen des Projekts wurde an der Erstellung des „Monitors Tarifverträge zur Gestaltung der Qualität der Arbeit“ mitgearbeitet. Herausgegeben wurde die Broschüre, die einen aktuellen Überblick über Vereinbarungen zu alternsgerechten und demografiefesten Arbeitsbedingungen bietet, von der Initiative Neue Qualität der Arbeit. Der Monitor bietet einen Überblick über aktuelle Demografietarifverträge aus den verschiedenen Branchen, deren Regelungsgegenstände und er gibt einen Überblick über Erfahrungen der beiden Akteure (Arbeitgeber und Arbeitnehmer) sowie deren Akzeptanz und eine Einschätzung zu den Wirkungen, die der Demografietarifvertrag auf die Branche und in einzelnen Betrieb entfaltet.  

 

 

Demografieorientierte Arbeitszeitgestaltung im Spiegel von Länderregelungen und Tarifverträgen

 

Eine exemplarische Übersicht von tarifvertraglichen Arbeitszeitmodellen und deren Systematisierung im Hinblick auf ihren Beitrag zum Erhalt der Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit. 

  • z.B.  Tarifverträge zur Etablierung alternsgerechter Arbeit im Verkehrsbereich, die durch die Einführung von sogenannten Entlastungstagen den Erhalt der Arbeitsfähigkeit bis zum Erreichen des Rentenalters fördern sollen und denen zugleich ein Beitrag zur Betriebsbindung und zur Reduktion von Langzeiterkrankungen zugeschrieben wird. 

  • z.B. tarifvertragliche Arbeitszeitmodelle aus Industrie und Dienstleistungsbranchen, die durch die Ermöglichung von (erweiterten) Familien- und/oder Pflegezeiten, Weiterbildungs- und Qualifizierungszeiten und die Schaffung von flexiblen Übergängen in und aus der Erwerbstätigkeit eine lebensphasenorientierte Arbeitszeitgestaltung unterstützen.

 

Darüber hinaus wird eine Übersicht von gesetzlichen Regelungen aus europäischen Nachbarländern bereitgestellt, die ein innovatives Potential für die Weiterentwicklung der Arbeitszeitpraxis in Deutschland bergen. Die Recherche fokussierte vor allem EU-Länder sowie die Schweiz und Norwegen und zeigte, dass nahezu alle europäischen Länder spezielle Arbeitszeitregelungen für die Beschäftigten in „schweren Berufen“ bzw. für Nacht- und SchichtarbeiterInnen geschaffen haben, die Entlastungen in Bezug auf Pausen, Wochen- und Monatsarbeitszeit, Urlaub und Lebensarbeitszeit vorsehen. Beispiele für besonders weitreichende kompensatorische Regelungen sind 

  • die „Schwerarbeitsverordnung“ und das „Nachtschwerarbeitsgesetz (NSchG)“ in Österreich, die einerseits kürzere Rentenanwartschaften und andererseits längere Erholungsurlaube und zusätzliche Kurzpausen für Beschäftigte in physisch und psychisch belastenden Berufen bzw. in Nacht und Schichtarbeit regeln. 

  • In Frankreich hat der Gesetzgeber noch stärker der Logik des Erwerbsverlaufs Rechnung getragen und ein 100-Punkte-Konto zum Monitoring und zur Kompensation der Beschwerlichkeit der Arbeit für Beschäftigte im privaten Sektors etabliert, wenn diese Arbeitsbedingungen ausgesetzt sind, die die Lebenserwartung verkürzen können. Die gesammelten Punkte können für Weiterbildungen, die dem Arbeitnehmer erlauben, auf eine weniger beschwerliche Beschäftigung umzusatteln oder zur Finanzierung einer Entgeltfortzahlung beim Wechsel auf Teilzeitarbeit am Ende der Laufbahn genutzt werden. 

 

 

Regelungshilfe zur Konkretisierung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes in Vertragswerken (am Beispiel Flughafen)

Wenn Beschäftigte verschiedener Arbeitgeber in einem Bereich zusammenarbeiten, fordert das Kooperationsgebot im Arbeits- und Gesundheitsschutz, dass sich diese Arbeitgeber koordinieren, um sichere und gesunde Arbeitsbedingungen für alle Beschäftigten zu schaffen. Dazu ist es nötig, die Arbeits- und Gesundheitsschutzerfordernisse für den konkreten Bereich detailliert zu erfassen und Standards für eine gute Kooperation zu entwickeln.

Gemeinsam mit dem Flughafen München wurde dies exemplarisch für den Bereich des Bodenverkehrsdienstes des Flughafens umgesetzt. Aufbauend auf konkreten arbeitswissenschaftlichen Empfehlungen zur Koordination, zum Einsatz der Arbeitsmittel, zum Arbeitsschutzmanagement, usw. wurden Regelungsvorschläge entwickelt, die später in das Pflichtenheft der Vergabe eingearbeitet wurden. Das entwickelte Empfehlungsraster sowie das Vorgehen, kann auf alle Bereiche übertragen werden, in denen eine Koordination im Arbeitsschutz notwendig ist und ein Vertragswerk Standards regelt.

 

 

Leitfaden zur Stärken-Schwächen-Analyse alternsgerechter und demografie-orientierter Arbeitsgestaltung (am Beispiel Kommunen)

In Kooperation mit der Stadt München wurde eine Stärken-Schwächen-Analyse durchgeführt, die basierend auf leitfadengestützten Interviews, die demografieorientierten Potentiale und Risiken in einer Kommune ermittelt. Hintergrund dieses Ansatzes ist die Erkenntnis, dass in der Regel auf kommunaler Ebene nur eingeschränkte Kenntnisse über die verschiedenen Aktivitäten, Ausgangsbedingungen und Probleme der verschiedenen Referate und Eigenbetrieb vorliegen. Gleichzeitig ist von einer starken Heterogenität auszugehen.

Der Interviewleitfaden ermöglicht eine strukturierte Stärken-Schwächen-Analyse der Ausgangslagen, der Handlungsbedarfe und der bereits getätigten Maßnahmen in den einzelnen Einheiten. Dies ermöglicht sowohl dem Gesamt-Personalrat als auch den Personalverantwortlichen z.B. einen Transfer von erfolgreichen Ansätzen, die Ergänzung des Qualifizierungsprogramms bis hin zum Einstieg in den Aufbau eines kommunalen Demografie-Managements.

 

 

 

 

Workshopkonzept Alternsgerechte Arbeitsgestaltung und Berufsverläufe (gewerbliche Berufe – körperlich schwere Arbeit) 

In Kooperation mit der Stadt München wurde ein Workshopkonzept entwickelt, das sich an Multiplikatoren aus dem betrieblichen Demografie-Management bzw. dem betrieblichen Gesundheitsmanagement richtet. Diese erhalten ein Basiswissen zum Thema alternsgerechte Arbeitsgestaltung und werden befähigt, alterskritische Tätigkeiten bzw. Arbeitsplätze zu identifizieren. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen lernen die Multiplikatoren, für die alterskritischen Tätigkeiten eine Belastungsmatrix aufzubauen, die die Expositionsdauer dokumentiert und – basierend auf betrieblichen Erfahrungswerten - vor einer kritischen Expositionsdauer warnt. Ziel ist es, durch frühzeitige Belastungswechseln Schädigungen auf Grund einer zu langen Expositionsdauer in alterskritischen Tätigkeiten zu vermeiden

 

Workshop Konzept Gesund Führen – Gesunde Führungskräfte

 

Rahmenkonzept für einen Workshop mit Führungskräften mit dem Ziel, die Führungskräfte für gesunde Arbeitsgestaltung zu sensibilisieren. Nach einer Basisinformation werden Führungskräfte zunächst in ihrer Rolle als Beschäftigte mit speziellen Aufgaben angesprochen und gemeinsam folgende Themen – aus Sicht der Führungskräfte – bearbeitet:

  • Eckpunkte gesundheitsförderlicher Führung

  • Aktuelle Fehlbelastungen und Ressourcen: Was unterstützt und belastet die Führungsarbeit?

  • Ansätze zur Verbesserung der Rahmenbedingungen der Führungsarbeit

Die Ergebnisse des Workshops können unmittelbar für die Entwicklung der Arbeitsbedingungen von Führungskräften genutzt werden und für Weiterentwicklung des Qualifikations- und Unterstützungsangebots für Führungskräfte (Optimierung des PE-Angebots).

 

Anerkennender Erfahrungsaustausch – ein Ansatz zur gesundheitsförderlicher Führung

Der Anerkennende Erfahrungsaustausch ist ein in der Praxis erprobter Führungsansatz, bei dem das Experten- und ExpertInnenwissen der Beschäftigten über ihren Arbeitsbereich sowie über ihre Gesundheit und Wohlbefinden im Mittelpunkt stehen.
 Es geht darum, den Blick der Führungskräfte auf vorhandene Ressourcen von Gesundheit, Arbeitsfähigkeit und Wohlbefinden der Mitarbeiter im Unternehmen zu schärfen und Ideen zu entwickeln, um die betriebliche Gesundheitspolitik (neu) zu gestalten. 


Ziele:Im Zentrum des Anerkennenden Erfahrungsaustauschs steht das Lernen der Führungskräfte von den Beschäftigten – und zwar von allen Beschäftigten: Was hält Menschen in der Arbeit gesund? Was motiviert sie und was macht sie stolz? Was empfinden sie als belastend? Was würden Sie verändern oder verstärken, wenn Sie entscheiden könnten? Mit diesen und weiteren Fragen tritt die Führungskraft in einen Dialog mit den Beschäftigten.

Ein Lern- und Beratungsgespräch in dem die Führungskraft die Beschäftigten als Experten und Expertinnen ihrer Arbeit anerkennt und die Perspektive der Beschäftigten wertschätzendes Interesse erfährt. Anders ausgedrückt unterstützt der Anerkennende Erfahrungsaustausch Führungskräfte dabei, ein partizipativ-teilnehmendes Führungsverhalten zu entwickeln und den Beschäftigten mit echtem Interesse zu begegnen. Dieses Interesse an der eigenen Sichtweise, am Erfahrungswissen und an den Veränderungskompetenzen erleben die Beschäftigten in der Regel als Wertschätzung und der Anerkennung.  Eine gute Basis für gesundheits- und entwicklungsförderliches Führen.

 

 

 

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